Wilde Weide - Biodiversität als Konzept
Was ist Biodiversität? Übersetzt man es, erhält man: Lebensvielfalt1. Lange Zeit war das auch kein Problem, man musste sich keine Gedanken über einen Verlust der Fülle machen. Doch je effizienter unsere Lebensweise, und vor allem die Landwirtschaft wurde, desto weniger Randbereiche, Lebensräume und Lebensraumübergänge sind den Tieren, Pflanzen und Pilzen geblieben.
Der Naturschutz versucht dieser Entwicklung entgegenzuwirken, doch das Artensterben schreitet weltweit voran. Daher geht es in unseren Augen nicht mehr nur darum, zu versuchen den Status quo in einzelnen Schutzgebieten zu erhalten - sondern mit regenerativen Konzepten in die Fläche zu kommen. Eines dieser Konzepte zielt darauf ab, in sogenannten Wilden Weiden Dynamiken wiederzubeleben, die unsere Kulturlandschaft in Mitteleuropa die längste Zeit prägten: Rinder und Pferde in geringer Dichte auf der Weide. Durch Kleinteiligkeit, Fraß, Tritt und Lebendigkeit entstand ein viel diverseres Mosaik an Lebensräumen, als dies unter den heute vorherrschenden Kräften (=häufiges, oft gleichtzeitiges Mähen ganzer Landstriche) möglich ist.
Wir möchten daher auf unseren Auen-Weiden hier in Mittelrot eine kleine naturnahe Weidelandschaft ermöglichen. Dabei geht es uns nicht darum, jene Menschen die konventionelle Landwirtschaft betreiben schlecht zu machen.2 Wir sehen uns als mittlerweile leider nötige Ergänzung zur konventionellen, und sogar zur ökologischen Landwirtschaft wenn sie in industriellem Stil praktiziert wird. Denn es müssen leider nicht mehr nur Lebensmittel produziert werden, sondern auch Biodiversität. Man kann es so beschreiben: Die Förderung von Biodiversität ist unser Hauptprodukt.
Und wer die Wilden Weiden fördern möchte, oder weiterführende Informationen sucht, der ist bei dieser Adresse gut aufgehoben: https://weidelandschaften.org/
1. Und das bedeutet nicht nur eine Vielzahl an verschieden Arten (=Artenvielfalt), sondern auch eine ausreichend hohe Individuenzahl (=hohe genetische Vielfalt), sowie eine Vielzahl an unterschiedlichen Lebensräumen. Das ist wichtig, es braucht alle drei Bereiche, damit ein Ökosystem gut funktioniert.
2. Wir haben die Überzeugung, dass der Weg, den die industrielle Landwirtschaft eingeschlagen hat, uns als Menschheit und unserem Planeten nicht gut tut. Aber hier kritisieren wir ein System, nicht einzelne Menschen die ihr Leben leben.

